2.584 Lieder | 2.036 Tonaufnahmen | 668 Noten/Akkorde | 214 Gitarrentabs





OKTOBERKLUB

Oktoberklub

Name: Hootenanny-Klub (1966-1967)
Name: Oktoberklub (1967-1990)
Gründung: Februar, 1966
Auflösung: 1990
Herkunft: Berlin (DDR)
Gründer: Perry Friedman
Mitglieder: Andert, Bach, Büttner, Fechner, Fehse, Gregor, Heinemann, Hürtgen, Kirchenwitz, Löhr, Ostberg, Phillip, Pippig


Der Oktoberklub war eine politische Songgruppe in der DDR. Seine musikalische Stilistik war eine Mischung aus Song, Chanson, Folk- und Rockmusik. Er wurde 1966 gegründet und bestand bis 1990. Zu den Gründungsmitgliedern des Oktoberklubs zählten Reinhold Andert, Georg Bach, Rene Büttner, Jörn Fechner, Sabine Fehse, Wolfgang Gregor, Reinhard Heinemann, Achim Hürtgen, Lutz Kirchenwitz, Nora Löhr, Bert Ostberg, Tatjana Phillip und Jürgen Pippig. Bekannte weitere Mitglieder waren Gisela Steineckert, Antje Garden, die durch Silly bekannt gewordene Tamara Danz und Waltraud Tschirner, die Mutter von Nora Tschirner.

Das Folk-Revival in den USA löste Anfang der 1960er Jahre in vielen Ländern eine Welle der Folkmusik und des Protestsongs aus. In der DDR hatte der kanadische Folksänger Perry Friedman bereits seit 1960 Hootenannys (amerikanische Bezeichnung für ein ungezwungenes, geselliges Konzert) veranstaltet. Um ihn und das Jugendradio DT 64 sammelte sich eine Gruppe folkbegeisterter junger Leute, die, unterstützt von der FDJ-Bezirksleitung, im Februar 1966 den Hootenanny-Klub Berlin gründete. Jeder konnte mitmachen, der Klub war offen und für DDR-Verhältnisse ungewöhnlich zwanglos. Gleichzeitig hatte die SED-Führung mit dem 11. Plenum im Dezember 1965 eine Verbotswelle gegen kritische Kunst und Jugendkultur eingeleitet und inszenierte Anfang 1967 eine Kampagne gegen „Anglizismen“. Der Hootenanny-Klub benannte sich daraufhin um in „Oktoberklub“. Der Name sollte Oktoberrevolution und DDR-Gründung assoziieren. Die Hootenanny-Bewegung wurde offiziell fortan „FDJ-Singebewegung“ genannt und als „Modellfall“ sozialistischer Kulturpolitik gefördert und vereinnahmt.

Die Mitglieder des Oktoberklubs waren „hundertprozentig rot, überzeugt, ehrlich“ (Reinhold Andert) und wollten die Gesellschaft aktiv mitgestalten. Mit der Verbindung von Politik und Unterhaltung brachten sie neue Elemente in die erstarrte politische Kultur der DDR ein, ließen sich jedoch auch für Repräsentationszwecke instrumentalisieren und wurden ihrem eigenen Anspruch „DDR-konkret“, „Alltag besingen, wie er ist“ (Reinhold Andert), oft nicht gerecht. Darüber gab es im Klub immer wieder Auseinandersetzungen, und einige Musiker wie Bettina Wegner verließen ihn wegen politischer Differenzen. Der Klub hatte in den Anfangsjahren eine durchaus bemerkenswerte Resonanz unter DDR-loyalen Jugendlichen, Oppositionelle lehnten ihn jedoch als „linientreu“ ab, und in den 1980er Jahren wurden seine agitatorischen Songs immer mehr als einschichtig und phrasenhaft empfunden.

Der Klub sang internationale politische Lieder (zum Teil in Nachdichtungen), Eigenschöpfungen sowie traditionelle Volks- und Kampflieder. Neben normalen Liederabenden mit gemischtem Repertoire führte er ab 1971 auch revueartig gestaltete Programme auf (1971 FDJ-Nachtschicht, 1972 Kantate Manne Klein und Liebesnachtschicht, 1976 Prenzlauer Berg).

Der Klub war Initiator und Organisator von Veranstaltungsreihen wie dem OKK (ab 1970 erste ständige Diskothek der DDR, ab 1977 Kellerklub im Haus der jungen Talente), dem Festival des politischen Liedes (1970–1990) und Ein Kessel Rotes (ab 1979). Der Klub trat auch häufig im Ausland auf, zum Beispiel bei Pressefesten kommunistischer Zeitungen in Westeuropa. Er erhielt verschiedene Auszeichnungen, unter anderem 1986 den Stern der Völkerfreundschaft in Gold.

Der Klub war eine Amateurgruppe, zeitweise mit einem halbprofessionellen Kern. Die Besetzungen wechselten häufig. Insgesamt gehörten ihm im Laufe der Jahre ungefähr 180, zeitweise mehr als 40 Mitglieder an, die jedoch nicht alle künstlerisch tätig waren. Die Schriftstellerin Gisela Steineckert und der Komponist Wolfram Heicking hatten lange Zeit eine Art Mentorenrolle. Wichtige Autoren der Anfangsjahre waren Reinhold Andert, Kurt Demmler und Hartmut König, später Gerd Kern als Texter und Fred Krüger als Komponist. Ab 1987 stammen viele Texte und Kompositionen von Michael Letz.

Der Klub war auch „als Talentreservoir für den jugendorientierten Musikbereich von großer Bedeutung“ (Olaf Leitner). 1973 ging aus ihm die professionelle Songgruppe Jahrgang 49 hervor, die bis 1980 existierte. Einige Klubmitglieder machten künstlerische Solokarrieren (Reinhold Andert, Barbara Thalheim, Jürgen Walter, Gina Pietsch und andere), andere arbeiteten später in kulturellen Institutionen wie Rundfunk, Fernsehen, Schallplatte und Generaldirektion beim Komitee für Unterhaltungskunst. Hartmut König wurde 1989 stellvertretender Minister für Kultur. Zu den bekanntesten Liedern des Oktoberklubs gehören Sag mir, wo du stehst, Oktobersong und Wir sind überall.

1968 porträtierte Gitta Nickel den Oktoberklub in dem DEFA-Dokumentarfilm Lieder machen Leute. In den 1990er Jahren entstanden zwei Fernsehdokumentationen über die Geschichte des Klubs: Das Ende vom Lied (VPRO, Niederlande, 1992) und Sag mir, wo du stehst (Axel Grote und Christian Steinke, MDR 1993).

Neben drei Broschüren bzw. Büchern, fünf Langspielplatten, sechs Singles, vier CD's und einem Sampler ist der Oktoberklub außerdem auf mindestens 55 LP-Samplern (darunter 1970 bis 1987 auf den ersten 17 LPs Festival des politischen Liedes bei eterna bzw. Amiga) sowie auf mindestens 9 CD-Samplern mit Liedern vertreten, beginnend ab 1967 mit der LP Baut die Straßen der Zukunft (eterna) mit dem Stück Du hast ja ein Ziel vor den Augen.

[Quelle: Wikipedia]




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