2.583 Lieder | 2.036 Tonaufnahmen | 667 Noten/Akkorde | 214 Gitarrentabs




DAVID ROVICS

David Rovics

Name: David Rovics
Geboren: 10. April 1967 in New York City, New York (USA)
Beruf: Sänger, Songwriter, Politaktivist


David Rovics Musik beinhaltet Themen wie den Irakkrieg 2003, Globalisierung/Globalisierungskritik und soziale Gerechtigkeit, aber auch historische soziale Bewegungen, wie die der 1930er und 1960er Jahre. Rovics ist ein großer Kritiker George W. Bushs, aber auch John Kerrys.

David Rovics wuchs in Wilton (Connecticut) auf. Seine Eltern waren beide Musiker, so dass er auch selbst von klein auf Musik gemacht hat. Obwohl die meisten seiner Werke eingetragen und kommerziell vertrieben werden, sind sie auch kostenlos als MP3-Datei auf seiner Webseite erhältlich. Er fördert den freien Vertrieb seiner Arbeit. Er wehrt sich gegen Webseiten und Programme wie iTunes, die Geld für das Herunterladen seiner Lieder einnehmen und empfindet auch den Preis von 99 Cents pro Lied als "zu hoch". Rovics schlug auch vor, seine Lieder auf Protestmärschen und Demonstrationen zu verwenden, wozu er Noten und Texte online aufbereitet hat. Dieses Werbemittel enthält Elemente der Lizenzschemata von Copyleft. David Rovics ist Mitglied der Gewerkschaft "Industrial Workers of the World". Er ist verheiratet und hat eine Tochter. Das hat ihn inspiriert, auch Lieder für Kinder zu schreiben. Er lebt heute mit seiner Familie in Portland (Oregon). Auf der offiziellen Webseite des Künstlers - www.davidrovics.com - gibt es die Möglichkeit alle seine Lieder kostenlos herunterzuladen.

[Quelle: Wikipedia]


Interview mit David Rovics
(Elsa Rassbach, "junge Welt" vom 27.08.2011)

David Rovics (44) ist ein linker Singer/Songwriter aus den USA, der gerade auf Europa-Tournee ist. Er spielt auch drei Konzerte in Deutschland. Der BBC-Moderator Andy Kershaw sagte über ihn: »Wenn der großartige Phil Ochs heute von den Toten auferstehen sollte, dann würde man ihn wahrscheinlich als ›den neuen David Rovics‹ begrüßen«.

Sie sind ein politischer Liedermacher. Begreifen Sie sich mehr als Aktivist oder mehr als Songwriter?

Ich bin einfach ein Songwriter in der langen Tradition des Liedschreibens über das, was aktuell passiert. Ich reise viel und werde daher durch persönliche Geschichten aus unterschiedlichen Orten inspiriert. Wenn Menschen den Status quo in Frage stellen, dann ist das immer noch der am meisten dynamische Stoff, über den man schreiben kann. Ich schreibe auch Songs über historische soziale Bewegungen, wie die der 1930er und 1960er Jahre. Und darüber, was sie für Auswirkungen auf die Gegenwart hatten, egal, ob sie ihre Ziele erreicht haben oder nicht.

In den letzten Jahren bin ich durch das, was überall in der arabischen Welt und in Lateinamerika vor sich geht, inspiriert worden, aber auch durch die kleineren sozialen Bewegungen in Nord­amerika und in Europa. Wegen des Einflusses der Musikindustrie werden solche Themen in den meisten Radiostationen nicht verhandelt. Früher gab es mehr unabhängige Plattenfirmen und UKW-Radiosender. Das hat sich alles geändert. Insbesondere in den USA hat es seit den 80er Jahren eine dramatische Veränderung gegeben. Aber die Musiktradition der Folk-Music ist überall auf der Welt sehr politisch.

Sie stellen Ihre Originalsongs, insgesamt 247, im Internet kostenlos zur Verfügung. Funktioniert dieses Geschäftsmodell?

Ja. Das Modell sieht so aus, daß du dein ganzes Material im Netz freigibst. Dann gehst du auf Tour und hoffst, daß die Leute, die die Musik heruntergeladen haben, sowohl Auftritte organisieren als auch zu den Auftritten kommen. Ich verdiene mein Geld mit Gigs in verschiedenen Ländern. Zu Hause bin ich in Oregon. Seitdem meine Tochter geboren wurde, versuche ich, ein bißchen weniger zu reisen. Sie ist jetzt fünf. Es kann hart sein, soviel wie ich unterwegs zu sein. Manchmal fühlt man sich einsam. Aber früher habe ich in Büros und in Restaurants gejobbt – was ich jetzt tue, macht mir viel mehr Spaß als alles andere, was ich vorher getan habe.

Die ersten Konzerte haben Sie in der U-Bahn gegeben?

Zum Schreiben von Songs kam ich durch Psychedelic Rock, Blue Grass und eben durch das Spielen in den U-Bahnen. Meine Eltern waren beide Musiker, deswegen habe ich von klein auf Musik gemacht. Schließlich habe ich Songwriter wie Phil Ochs oder Buffy St. Marie entdeckt. Überhaupt die ganze Tradition des Songwritings über aktuelle Ereignisse. Auch irische Musik und Pete Seeger, der Verbindungen zu lateinamerikanischen Songwritern hatte. Mit 19 las ich die Gedichte von Bertolt Brecht – sie haben mich sehr beeinflußt.

Jetzt sind Sie Mitglied bei den Industrial Workers of the World?

Na klar. Das ist zwar heute eine sehr kleine, unabhängige Gewerkschaft, doch in ihrer Hochzeit vor hundert Jahren war sie sehr einflußreich. In der Geschichte Nordamerikas sind die IWW die größte und militanteste Gewerkschaft, die es jemals gab. In der IWW wurden alle möglichen Dinge durch Songs vermittelt, sie handelten zum Beispiel von der Beziehung zwischen den Arbeitern und den Bossen, es ging aber auch um die Organisierung von Arbeitskämpfen. Die Lieder waren auch ein Mittel, unter den vielen Immigranten mit unterschiedlichen Sprachen ein Gefühl von Gemeinschaft und von gemeinsamem Kampf aufrechtzuerhalten.

Das Establishment hat die IWW als eine solche Bedrohung angesehen, daß sie vom FBI bekämpft wurde. Das war das erste Ziel dieser 1908 gegründeten Polizeibehörde. Zwischen 1919 und 1920 wurden etwa 10000 Mitglieder der IWW inhaftiert, viele wurden abgeschoben. Schließlich wurde die Gewerkschaft zerschlagen. Trotzdem kann man sagen, daß die IWW letztlich den Weg für die erfolgreicheren Arbeitskämpfe der 1930er Jahre bereitet hat.

Heute ist die organisierte Arbeiterbewegung in den USA sehr klein. Aber in anderen Teilen der Welt ist die unabhängige Gewerkschaftsbewegung in den letzten Jahren immer wichtiger geworden: in Lateinamerika und der arabischen Welt, Tunesien, Ägypten, auch in Griechenland, Italien, Portugal – und letzten Frühling sogar in Wisconsin, wo die Leute zum Teil vom Tahrir-Platz inspiriert waren.

Sie haben viele Songs über Europa geschrieben, 2003 sogar einen Song über die Europäische Union. Wie nehmen Sie Europa im Unterschied zu den USA wahr?

Die Lebensumstände der Europäer sind erheblich besser als in den USA. In vielen europäischen Ländern kann man zumindest Sozialleistungen erhalten. Das ist für zig Millionen US-Amerikaner nicht der Fall. Sie leben in drückender Armut. Auch sind europäische Länder erheblich demokratischer als die USA. In Europa gibt es echte Mehrparteien-Demokratien mit realen linken Parteien. In jedem normalen demokratischen Land wären die Menschen niemals dafür, die Hälfte der Steuereinnamen für das Militär auszugeben, wie es in den USA geschieht. Dort haben die Menschen aber keine Wahl. Allerdings beobachte ich, daß die europäischen Länder zunehmend den Weg der USA einschlagen, sich stärker militarisieren, diverse Dienstleistungen privatisieren und das Steuersystem verändern. Im Gegensatz zur arabischen Welt und zu Lateinamerika bewegt sich Europa nach rechts. Ich habe gerade einen Song über das Massaker in Norwegen geschrieben.

Sie haben auch mehr als ein Dutzend Songs über Palästina verfaßt. Ein neues Lied von Ihnen handelt von Netanjahus Besuch im US-Kongreß. Wie hat Ihr Interesse am Nahen Osten begonnen?

Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der die eine Hälfte jüdischer Herkunft ist. Über Israel wurde dort natürlich positiv gesprochen. Erst im Alter von ungefähr 14 habe ich einiges darüber gelernt, was ich das israelische Apartheidsystem nennen würde. Das war 1982, und es gab viele Nachrichten über den Krieg im Libanon. Ich habe Palästina zum ersten Mal 1999 besucht. Damals habe ich erstmals einen Song über die Situation dort geschrieben, einen Song über Scharons Besuch der Al-Aqsa-Moschee und das Blutbad an einem Dutzend Kinder, das einige Tage nach seinem Besuch folgte. Im Jahr 2000 sollte eine weitere Tournee in Israel starten, sie wurde aber abgesagt, denn ich erhielt eine Menge Drohbriefe. Statt dessen habe ich 2005 eine Tournee durch den Libanon, Jordanien und die Westbank gemacht, die wirklich wunderbar war.

Warum benutzen Sie den Begriff »Apartheid« für den Nahen Osten?

Viele Menschen, die zur Zeit der Apartheid in Südafrika lebten, benutzen den Begriff, um das System in Israel und Palästina zu beschreiben. Südafrikaner, die die Westbank und den Gazastreifen besucht haben, sagen sogar, daß sie die Situation dort als noch schlimmer empfinden. Die Palästinenser, die israelische Bürger sind, sind ja nicht voll gleichberechtigt. Man könnte sagen, sie werden ähnlich wie die »Farbigen« damals in Südafrika behandelt. Die »Schwarzen« wären dann die Bewohner des Westjordanlandes. Die Vorstellung, daß das Westjordanland und der Gazastreifen in irgendeiner Weise autonom oder unabhängig seien, ist lächerlich. Die Menschen dort leben in einer gefängnisähnlichen Situation, in der sie nicht ihren Wohnort verlassen können. Schon gar nicht kommen sie ohne weiteres aus dem palästinensischen Autonomiegebiet heraus. Sie wären oft schon glücklich, wenn sie es schaffen würden, zu einer anderen Ortschaft innerhalb dieses Gebiets zu kommen. Was Israel dort betreibt, ist schlicht eine militärische Besatzung. Es werden weiterhin Siedlungen gebaut, die den Palästinensern mehr und mehr Land wegnehmen.



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