Occupy World – Die Welt gehört uns!
V.E., 18.10.2011
Kategorie: Allgemein
Schon Karl Marx hat vor mehr als einem Jahrhundert deutlich gemacht, was Kapitalismus für die Menschen bedeutet und zu was dieser fähig ist. Aber wahrscheinlich hätte sich nicht mal Marx in seinen düstersten Albträumen ausmalen können, in welchem Ausmaße er recht behalten sollte. Die schrecklichen Kriege des 20. und 21. Jahrhunderts haben gezeigt, dass Kapitalismus bei Weitem nicht nur Ausbeutung und Unterdrückung des einfachen Volkes bedeutet. Sondern dass er in seiner hässlichsten Form vor nichts zurückschreckt und auf seinem Feldzug systematisch alles zu vernichten bereit ist. Nicht zuletzt auch die Welt selbst.
Die vor knapp 94 Jahren erfolgreiche Revolution in Russland hat den Startschuss für eine antikapitalistische Bewegung auf internationaler Ebene gegeben. Der Kapitalismus hatte zum ersten Mal einen ebenbürtigen Gegner vor sich, den es zu schlagen nicht mehr so einfach war. Der kommende Geschichtsverlauf löste eine gigantische Welle von Reaktionen aller Weltbevölkerungen gegen den Kapitalismus aus und wuchs zu einer regelrechten Kriegserklärung heran, die auch heute noch keinen Frieden gefunden hat. Die Botschaft war einfach und deutlich. Die Welt gehört denen, die sie erbauen. Sie kann unmöglich den Ausbeutern gehören. Und unter diesem einfachen Grundsatz wurde die Idee einer antikapitalistischen Weltrevolution geboren. Das Ziel war es, sich die Welt zurückzuholen. Sich auf Basis der menschlichen Vernunft und Humanität, eine neue Welt zu schaffen und dem Kapitalismus endgültig das Handwerk zu legen. Eine Welt ohne Ausbeutung, Unterdrückung, Kriege und Hungersnöte. Eine freie, eine menschenwürdige Welt.
Die Sowjetunion als Gegenspieler der kapitalistischen Mächte gibt es nicht mehr. China kehrte dem antikapitalistischen Kampf schon lange den Rücken und die wenigen, sich noch in die antikapitalistische Tradition stellenden Länder, müssen um ihr Überleben kämpfen. Die Weltrevolution, wie Lenin sie mit der Revolution in Russland herbeiführen wollte, kam niemals zustande. Auf der einen Seite war der Feind gut gerüstet gegen die bedrohliche Gefahr einer weltweiten Revolution. Und auf der anderen Seite haben zu wenige die Notwendigkeit erkannt. Man hat sich zum wiederholten Male etwas von fadenscheinigen Rechten und Freiheiten vorgaukeln lassen, hat im Sumpf des Konsumwahnes den Bezug zur Wirklichkeit verloren oder nach fruchtlosem Streiten vor der Passivität oder Ignoranz der Menschen resigniert. Am Ende des 20. Jahrhunderts schien es fast so, als sei der Widerstand erstickt worden. Während ein Teil der Welt in Desinteresse verfiel oder den Kapitalismus fast schon als neue Glaubensrichtung für sich entdeckte, ging der Teil der Welt, der nicht die Option einer glänzenden Lügenwelt hatte, vor die Hunde.
Aus der prägenden Geschichte des verflossenen Jahrhunderts haben die Wenigsten etwas gelernt. Weshalb wir in diesem Jahrhundert nun dazu verflucht sind, die Geschichte zu wiederholen. Wir haben wieder Krieg, wir haben menschenunwürdige Hungerlöhne, Sozialabbau auf allen Ebenen, einen neu heranreifenden Faschismus, nur noch die Fassade einer Demokratie, Überwachungswahn und einen bevorstehenden, weltweiten Finanzkollaps. Herzlich willkommen zu Runde 2!
Die neue Runde für das 21. Jahrhundert ist auch von den Völkern der Welt bereits eingeläutet worden. So gab es allein im Jahr 2009 insgesamt 524 Aufstände weltweit, von denen sich ein Drittel hier in Europa befand. Protestkundgebungen, Streiks und Unruhen gehören fast überall auf der Welt mittlerweile zur Normalität. Und dabei handelt es sich bei Weitem nicht nur um die ersten europäischen Verlierer der Globalisierung, Griechenland oder Spanien. Der Protest schwappte auch schon in das kapitalistische Mutterland, die USA über und setzte mit „Occupy Wallstreet“ vor kurzem deutliche Zeichen. Ebenso befindet sich auch die arabische Welt und mittlerweile sogar Israel im Protest gegen die globalen Entwicklungen. Am vergangenen Samstag, des 15. Oktobers, fand ein internationaler Protest statt, der sich auf insgesamt 951 Städte in 82 Ländern ausstreckte. Den noch kommenden und unausweichlichen Entwicklungen des Kapitalismus entsprechend sind das alles nur die ersten Gehversuche, der langsam aus ihrem Tiefschlaf erwachenden Weltbevölkerung.
Wir stehen gewissermaßen also wieder am Anfang. Dieses Mal haben wir die Möglichkeit Rückschlüsse aus der Vergangenheit zu ziehen und den Kampf nicht nur zu beenden, sondern auch zu gewinnen. Wir kennen die Tücken des Gegners, kennen seine Schwachstellen und kennen unsere Stärken. Auch wenn dieser Gegner ebenso gut Schlüsse aus der Vergangenheit gezogen hat und unsere Schwächen kennt, gilt heute dasselbe wie vor hundert Jahren – nämlich dass wir durchaus in der Lage sind, zu siegen. Das waren wir immer und daran hat sich nichts geändert. Es gilt die groben Fehler der Vergangenheit, die letztendlich auch zum Scheitern führten, auszumerzen und erneut in die Offensive zu gehen.
Trotz wachsender Vernetzung und ansteigender Kooperation ist die Uneinigkeit der Völker und insbesondere der antikapitalistischen Kräfte, das Hauptproblem für die Sackgasse, in der wir uns derzeit befinden. Wie sollen die Völker der Erde einen Ausweg und eine echte Alternative aus diesem maroden System erkennen können, wenn selbst die aktiven Antikapitalisten sich uneinig sind? In den antikapitalistischen Bewegungen der Welt herrscht eine beispiellose Zerstrittenheit, die jedes Vorankommen schon im Vorfeld verhindert. Es werden Gräben gezogen, wo man sie nur ziehen kann. Jede noch so kleine Meinungsverschiedenheit wird zum Anlass genommen, keinerlei Kompromissbereitschaft einzuräumen. Es ist wie ein nicht enden wollender Albtraum, der nicht nur den jeweiligen Organisationen und Ideologien selbst, sondern im Endeffekt auch der ganzen Menschheit schadet. Diese Grabenkämpfe gilt es ein für alle Mal zu beenden und damit zu beginnen eine Einheit zu sein. Eine eiserne Einheit gegen das Kapital. Die Geschichte gibt mir abermals recht, wenn ich sage, dass die Herrschaft des Kapitals nur aus dem Grunde der Uneinigkeit und Unentschlossenheit noch währt, und schon längst hätte auf dem Komposthaufen der Geschichte landen können.
Prinzipien und Ideale sind ein wichtiges Gut. Sie haben uns dem Kapitalismus den Kampf ansagen lassen und sie bilden den Kern unserer Weltanschauungen. Aber was nützt uns die Versessenheit darauf, den Weg nur auf unsere Weise zu gehen? Sind nicht meistens wir diejenigen, die das Ellenbogendenken der Gesellschaft und all die Tatenlosigkeit in der Bevölkerung auf Schärfste kritisieren? Sind nicht meistens wir diejenigen, die über nationale und internationale Einheit und Brüderlichkeit reden, über dessen Notwendigkeit und der uneingeschränkten Solidarität als unsere mächtigste Waffe? Es wird Zeit diese Ideale, die wir alle ausnahmslos teilen und die bisher jeden Sieg über das Herrschaftssystem entschieden haben, zu leben und im Kampf offensiv einzusetzen. Über all die Dinge, die uns angeblich so sehr voneinander unterscheiden, über all die Punkte, die uns voneinander zu trennen scheinen, können wir auch nach dem Sieg noch lange genug disputieren. Aber als Erstes gilt es dem Kapitalismus den Hahn zuzudrehen, diesem verfluchten Elend endlich ein Ende zu machen und eine neue Welt zu errichten. Mögen wir noch so unterschiedlich sein, sind wir uns von den Grundideen wie diese Welt auszusehen hat doch trotzdem einig und es ist eine Schande, dass wir trotz all dieser Übereinstimmungen und gemeinsamer Vorstellungen immer noch in diesem System miteinander streiten, anstatt uns endlich zu vereinen und das Hauptproblem, das worum es uns allen am meisten geht, zu beseitigen. Den Kapitalismus.
Die Kapitalisten sehen unsere Zwietracht gern. Und sie sind sicherlich auch nicht ganz unschuldig daran. Aber kein Agent und kein Verräter würde uns entzweien und von der Linie abbringen können, wenn wir uns nur fest vor Augen halten, dass wir eins sind! Die Kapitalisten und ihre Lakaien im Staat lachen sich Tag für Tag schäbig darüber, wie wir über viele Jahre hinweg darüber diskutieren und streiten ob wir die Festung von vorne oder von hinten stürmen sollen. Ich sage, wir stürmen sie von allen Seiten! Seid nicht länger die Narren der Weltgeschichte und vereinigt euch. Unabhängig von Organisations- oder Parteizugehörigkeit, Herkunft oder Glaube – jeder Mitstreiter gegen das Kapital ist ein Genosse. Wir alle sind Opfer und Sklaven dieses Systems und es liegt in unser aller Interesse, es zur Strecke zu bringen.
Brecht die Schranken, die uns das Tor zur Freiheit verschließen, vereint euch und kämpft! Wir alle haben dasselbe Ziel und wir sind alle Kinder dieser Erde. Auf die ganze Welt verteilt sind wir Brüder und Schwestern und sollten von daher auch Kampfgefährten sein. Dann wird alles andere gehen. Wir werden das Joch der Ausbeuter und Tyrannen bezwingen und uns endlich befreien. In der Einheit liegt die Macht, der keine Waffe und kein Geld etwas anhaben kann. In der uneingeschränkten Solidarität mit allen Leidensgenossen, gleich welcher politischen oder geografischen Herkunft. Der Sieg ist nur einen Katzensprung entfernt. Vereinigt euch und ihr habt die Macht. Kämpft und ihr seid frei! Vergesst, was euch bis gestern noch entzweit hat, und schreibt Solidarität und Kampfentschlossenheit auf eure Fahnen.
Ja, die Welt gehört uns. Aber was nützt uns das, wenn wir sie uns nicht nehmen? Was nützt es uns die Wahrheit zu kennen und vor der Geschichte recht zu behalten, wenn wir dieses Wissen nicht zur Befreiung der Menschheit einsetzen können? Was nützen uns all die Ideale ohne eine darauf erbaute Welt? Es ist an der Zeit unseren Worten Taten folgen zu lassen. Es ist an der Zeit mehr zu tun als nur zu hoffen, zu agitieren und gegen die Ungerechtigkeit zu demonstrieren. Es ist an der Zeit unser Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und die Unterdrückung nicht länger zu dulden. Überall auf der Welt versammeln sich immer mehr Menschen, um dem Kapitalismus den Kampf anzusagen. Und dieser Kampf ist lange schon überfällig. Die Welt wird nicht von Propheten und Theoretikern geändert, sondern von Revolutionären. Erheben für uns für den Sieg der Menschlichkeit über die skrupellose Tyrannei. Erheben wir uns für den Frieden, die Völkerfreundschaft und die Freiheit. Erheben wir uns für die Revolution!




