Distanzierung von “Die Bandbreite”
V.E., 06.12.2011
Kategorie: Allgemein
Im April dieses Jahres stellte ich euch die HipHop-Band “Die Bandbreite” vor und ging zugunsten der Band auf die Umstrittenheit ihrer Musik in der linken Szene ein. Im Zuge dessen wurden Musikstücke der Bandbreite in Form von YouTube-Clips in die Interpreten-Playlisten aufgenommen und Backlinks zu der Bandseite gesetzt. Aufgrund einiger, bisher nicht klar gewesener Erkenntnisse im Bezug auf die Bandbreite, ist der Entschluss gefasst worden die Band aus dem Sortiment wieder zu entfernen und sich von ihr, aus nachfolgend genannten Gründen zu distanzieren.
Um die Entwicklung begreiflicher zu machen, muss ich zunächst zu den Anfängen dieses Projektes ausholen. Der Grund für das gesamte Liederprojekt war der Wunsch zur Schaffung eines umfangreichen Archivs linker Musik. Die Prioritäten lagen und liegen in erster Linie bei der historischen Dokumentation des aus der Arbeiterbewegung stammenden Liedgutes. Dabei wurde und wird es als wichtig angesehen, möglichst viele linke Strömungen zu berücksichtigen und keine ideologischen Selektierungen vorzunehmen. Im Laufe der Zeit kamen viele verschiedene Inhalte zusammen, dessen Beurteilung dem Besucher selbst überlassen wurde. Angefügte Anmerkungen und Hinweise zu den Liedern sollten dabei nur dem besseren Verständnis der Inhalte dienen und hatten zu keinem Zeitpunkt Bestrebungen in Richtung Meinungsbildung oder gezielter Propaganda inne. Getreu dieser Prinzipien, wurde auch der Versuch unternommen, den ein- oder anderen aktuellen Künstler vorzustellen und sowohl einen Vergleich als auch einen Übergang zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart zu ziehen. Immer von der Bemühung begleitet, sich nicht von den ideologischen Streitigkeiten der Linken beirren oder beeinflussen zu lassen, sondern viel mehr die Gemeinsamkeiten hervorzuheben. Und unter diesem Aspekt wurde auch das musikalische Schaffen der Band “Die Bandbreite” integriert, um einen weiteren Bereich linker Musik aufzuzeigen. Die Band, aufgrund ihrer Umstrittenheit von mancher Stelle, auszuschließen, kam vom damaligen Wissensstand nicht infrage. Weshalb in der Hoffnung auf Verständnis auch in Kauf genommen wurde, dass diese Entscheidung auf Kritik stoßen könnte. Was sie letztendlich dann auch tat.
Selbstverständlich kann man, trotz allen guten Willens, nicht jede Sparte linker Ideologien berücksichtigen und muss aus Gründen der Vernunft auch Grenzen ziehen. Und wäre mir all das, was ich heute über die Band weiß, damals bewusst gewesen, hätte ich von der öffentlichen Verteidigung der Band auch Abstand genommen. Als ich mich mit ihrer Musik und ihrer Bandgeschichte auseinandersetze, stieß ich immer wieder auf dieselben heftigen Diskussionen um ihre Legitimierung als linksorientierte Band. Die meisten dieser Kritiken handelten von Antisemitismus- und Antiamerikanismusvorwürfen und entbehrten dadurch schon jedweder Logik. Denn auch wenn die so genannten Antideutschen, von denen diese Kampagnen gegen die Bandbreite zum größten Teil stammen, sich ebenfalls als links bezeichnen mögen, gab und gibt es keinen ersichtlichen Grund, in der Verteidigung Palästinas und der Kritik am US-Imperialismus, Antisemitismus oder Antiamerikanismus zu vermuten. Weshalb für mich die Argumentation von dieser Seite auch nicht ernstzunehmend war. Ich halte diese Vorwürfe nach wie vor für nichts als heiße Luft und blanke Diffamierungsversuche, die sich nicht der Aufklärung, sondern dem absurden Weltbild der Antideutschen verschrieben haben. Argumentationen solcher Art hatten für mich von daher auch keine nähere Bedeutung bei der Beurteilung der Band und zogen unberücksichtigt an mir vorbei. Was mich letzten Endes aber auf einem Auge blind werden ließ und dazu führte, dass die Band aufgrund ihres Engagements für die Linke alleine beurteilt wurde. Und da es bei den Gegendarstellungen nur von antideutscher Hetze wimmelte, wurde von meiner Seite bedauerlicherweise nicht präzise genug hingesehen. Dies war im Nachhinein gesehen sehr naiv von mir. Wenngleich ich der Sache auch keine allzu große Bedeutung zugemessen habe, da eine Integration der Bandbreiten-Lieder ohnehin nur in Form von Playlistenverweisen stattfand und es weiterhin galt, sich aufs Wesentliche zu konzentrieren.
Die jetzige Distanzierung von der Bandbreite hat deshalb auch nichts mit antideutschen Hetzkampagnen oder sonstigen, fadenscheinigen Gründen mancher Kritiker zutun, die aus lauter Verbohrtheit ihrer politischen Linien, den Überblick zur Realität verloren haben. Die Gründe dafür sind viel eher Gegenargumente, welche mir bislang aus Unwissenheit verborgen geblieben waren, und die es nicht mehr vertretbar machen, das Projekt im Zusammenhang mit der Bandbreitenmusik zu nennen.
Ich maße mir nicht an, festlegen zu wollen, was nun links ist und was nicht. Ebenso maße ich mir nicht an, irgendjemandem vorzuschreiben, wie er seinen politischen Weg bestreiten soll und was er tun und lassen darf. Dennoch macht mich das nicht unkritisch oder in meiner persönlichen Meinung neutral. Und eben diese persönliche Kritik ist auch ausschlaggebend für meine Entscheidung, die ich zum Wohle der Ernsthaftigkeit und Seriosität des Kampflieder.de-Projekts gefällt habe. In Folgendem nun der ausschlaggebende Punkt, der in meinen Augen gegen die Bandbreite spricht und den Hauptgrund für diesen Sinneswandel zur Band darstellt.
Die Bandbreite hält es nicht für nötig sich von diversen Rechtspopulisten zu distanzieren und lässt in ihren Handlungen immer mehr den Eindruck zurück, absichtlich keine Abgrenzung zu rechten Ideologien zu wollen, da sie ein möglichst breites Spektrum ansprechen will. Eine solche Vorgehensweise kann von antifaschistischer Sichtweise, in dessen Tradition sich die Linke stellt und der die Bandbreite sich als angehörig sieht, aber nicht gebilligt werden. Das Paktieren mit der Rechten, und sei es auch zur Erreichung “gemeinsamer” Ziele, ist inakzeptabel und darf, zumindest aus meiner Sicht, in keiner Form unterstützt werden. Der diesjährige Auftritt der Bandbreite in den Reihen der SVP ist dabei nur das i-Tüpfelchen. Auch wenn man diesen als Ausrutscher abtut, da der Bandbreite (laut eigener Aussage) nicht bekannt war, um was für eine Partei es sich bei der “weltoffenen und toleranten SVP” handelt – bleibt dennoch offen, warum bis heute keine Distanzierung vom Interview mit der neurechten Wochenzeitung “Junge Freiheit” zu vernehmen war. Von weiteren Zusammenhängen der Bandbreite mit rechtsorientierten Persönlichkeiten und Kreisen mal ganz abgesehen. Ob auf diese Weise Nutzen oder Schaden für den antikapitalistischen Kampf und die Befreiung der Völker aus dessen Unterdrückung gewonnen werden kann, kann sich jeder selbst fragen. Einen Kompromiss kann es da aus meiner Sicht der Dinge, jedenfalls nicht geben.
Darüber hinaus halte ich es auch für bedenklich, dass die oft kritisierten Songs wie “Miesmuschel” und “Eingelocht”, mit auf den ersten Blick überaus obszönen und frauendiskriminierenden Inhalten, trotz Statements zu dessen satirischem/anklagenden Hintergrund auch in der Neuauflage ohne jeglichen Hinweis darauf erschienen. Während die Texte auf der Webseite dazu mit der Zeit verschwanden. Schließlich hielt man es bei dem Song zur “Neuen RAF” auch für nötig aufzuklären, dass die im gesamten Lied besungene Gewalt, nicht der richtige Weg sein kann.
Mein Fazit ist also, dass die Bandbreite sich vielleicht nicht bewusst in dieses kritische Licht rücken will und durchaus gute und lobenswerte Absichten haben kann, wie ihr Engagement für die Linke auch vermuten ließ. Dennoch halte ich ihre derzeitige Vorgehensweise nicht für tragbar. Mir liegt es dabei fern, vergleichbar der Kritik von Antideutschen, die Band zu verteufeln. Jeder ist für seinen eingeschlagenen Weg selbst verantwortlich und muss wissen, wie er diesen bestreiten will. Doch zumindest aus meiner Perspektive und der Verantwortung für dieses Projekt kann der zweigleisige Tanz zwischen Rechts und Links nicht toleriert werden. Auch wenn dahinter gute Absichten stecken mögen. Keine gute Absicht rechtfertigt einen ideologischen Schulterschluss mit den Faschisten. Auch ansatzweise und tastend nicht. Seien sie noch so “fortschrittlich” und “besser belehrter” als ihre Vorgänger zu Anfang des 20. Jahrhunderts. “Links” mag ein sehr dehnbarer Begriff sein. Doch zumindest hatte dieser immer die Gemeinsamkeit im Antifaschismus. Der Antifaschismus ist aufgrund seiner blutigen und opferreichen Vergangenheit konsequent. Und diese Konsequenz lässt keinen Spielraum für Kompromisse.
Die Diskussion um die Band mag sich weiterhin zuspitzen oder irgendwann verstummen. Dies wird sicherlich vom weiteren Kurs der Bandbreite und dem Einsatz ihrer schärfsten Gegner abhängen. Ich für meinen Teil und im Namen des Kampflieder.de-Projekts distanziere mich hiermit von dieser Band und hoffe darauf, dass ihre Initiatoren sich noch besinnen und vom Irrpfad in die braunen Abgründe dorthin zurückfinden werden, wo sie schon richtigerweise mal angesetzt haben. Nämlich da, wo man mit Rassismus und menschenverachtenden Ideologien längst kompromisslos abgerechnet und ihnen offen den Kampf angesagt hat.




