2.583 Lieder | 2.036 Tonaufnahmen | 667 Noten/Akkorde | 214 Gitarrentabs




Distanzierung von “Die Bandbreite”

V.E., 06.12.2011
Kategorie: Allgemein

Im April dieses Jahres stellte ich euch die HipHop-Band “Die Bandbreite” vor und ging zugunsten der Band auf die Umstrittenheit ihrer Musik in der linken Szene ein. Im Zuge dessen wurden Musikstücke der Bandbreite in Form von YouTube-Clips in die Interpreten-Playlisten aufgenommen und Backlinks zu der Bandseite gesetzt. Aufgrund einiger, bisher nicht klar gewesener Erkenntnisse im Bezug auf die Bandbreite, ist der Entschluss gefasst worden die Band aus dem Sortiment wieder zu entfernen und sich von ihr, aus nachfolgend genannten Gründen zu distanzieren.

Um die Entwicklung begreiflicher zu machen, muss ich zunächst zu den Anfängen dieses Projektes ausholen. Der Grund für das gesamte Liederprojekt war der Wunsch zur Schaffung eines umfangreichen Archivs linker Musik. Die Prioritäten lagen und liegen in erster Linie bei der historischen Dokumentation des aus der Arbeiterbewegung stammenden Liedgutes. Dabei wurde und wird es als wichtig angesehen, möglichst viele linke Strömungen zu berücksichtigen und keine ideologischen Selektierungen vorzunehmen. Im Laufe der Zeit kamen viele verschiedene Inhalte zusammen, dessen Beurteilung dem Besucher selbst überlassen wurde. Angefügte Anmerkungen und Hinweise zu den Liedern sollten dabei nur dem besseren Verständnis der Inhalte dienen und hatten zu keinem Zeitpunkt Bestrebungen in Richtung Meinungsbildung oder gezielter Propaganda inne. Getreu dieser Prinzipien, wurde auch der Versuch unternommen, den ein- oder anderen aktuellen Künstler vorzustellen und sowohl einen Vergleich als auch einen Übergang zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart zu ziehen. Immer von der Bemühung begleitet, sich nicht von den ideologischen Streitigkeiten der Linken beirren oder beeinflussen zu lassen, sondern viel mehr die Gemeinsamkeiten hervorzuheben. Und unter diesem Aspekt wurde auch das musikalische Schaffen der Band “Die Bandbreite” integriert, um einen weiteren Bereich linker Musik aufzuzeigen. Die Band, aufgrund ihrer Umstrittenheit von mancher Stelle, auszuschließen, kam vom damaligen Wissensstand nicht infrage. Weshalb in der Hoffnung auf Verständnis auch in Kauf genommen wurde, dass diese Entscheidung auf Kritik stoßen könnte. Was sie letztendlich dann auch tat.

Selbstverständlich kann man, trotz allen guten Willens, nicht jede Sparte linker Ideologien berücksichtigen und muss aus Gründen der Vernunft auch Grenzen ziehen. Und wäre mir all das, was ich heute über die Band weiß, damals bewusst gewesen, hätte ich von der öffentlichen Verteidigung der Band auch Abstand genommen. Als ich mich mit ihrer Musik und ihrer Bandgeschichte auseinandersetze, stieß ich immer wieder auf dieselben heftigen Diskussionen um ihre Legitimierung als linksorientierte Band. Die meisten dieser Kritiken handelten von Antisemitismus- und Antiamerikanismusvorwürfen und entbehrten dadurch schon jedweder Logik. Denn auch wenn die so genannten Antideutschen, von denen diese Kampagnen gegen die Bandbreite zum größten Teil stammen, sich ebenfalls als links bezeichnen mögen, gab und gibt es keinen ersichtlichen Grund, in der Verteidigung Palästinas und der Kritik am US-Imperialismus, Antisemitismus oder Antiamerikanismus zu vermuten. Weshalb für mich die Argumentation von dieser Seite auch nicht ernstzunehmend war. Ich halte diese Vorwürfe nach wie vor für nichts als heiße Luft und blanke Diffamierungsversuche, die sich nicht der Aufklärung, sondern dem absurden Weltbild der Antideutschen verschrieben haben. Argumentationen solcher Art hatten für mich von daher auch keine nähere Bedeutung bei der Beurteilung der Band und zogen unberücksichtigt an mir vorbei. Was mich letzten Endes aber auf einem Auge blind werden ließ und dazu führte, dass die Band aufgrund ihres Engagements für die Linke alleine beurteilt wurde. Und da es bei den Gegendarstellungen nur von antideutscher Hetze wimmelte, wurde von meiner Seite bedauerlicherweise nicht präzise genug hingesehen. Dies war im Nachhinein gesehen sehr naiv von mir. Wenngleich ich der Sache auch keine allzu große Bedeutung zugemessen habe, da eine Integration der Bandbreiten-Lieder ohnehin nur in Form von Playlistenverweisen stattfand und es weiterhin galt, sich aufs Wesentliche zu konzentrieren.

Die jetzige Distanzierung von der Bandbreite hat deshalb auch nichts mit antideutschen Hetzkampagnen oder sonstigen, fadenscheinigen Gründen mancher Kritiker zutun, die aus lauter Verbohrtheit ihrer politischen Linien, den Überblick zur Realität verloren haben. Die Gründe dafür sind viel eher Gegenargumente, welche mir bislang aus Unwissenheit verborgen geblieben waren, und die es nicht mehr vertretbar machen, das Projekt im Zusammenhang mit der Bandbreitenmusik zu nennen.

Ich maße mir nicht an, festlegen zu wollen, was nun links ist und was nicht. Ebenso maße ich mir nicht an, irgendjemandem vorzuschreiben, wie er seinen politischen Weg bestreiten soll und was er tun und lassen darf. Dennoch macht mich das nicht unkritisch oder in meiner persönlichen Meinung neutral. Und eben diese persönliche Kritik ist auch ausschlaggebend für meine Entscheidung, die ich zum Wohle der Ernsthaftigkeit und Seriosität des Kampflieder.de-Projekts gefällt habe. In Folgendem nun der ausschlaggebende Punkt, der in meinen Augen gegen die Bandbreite spricht und den Hauptgrund für diesen Sinneswandel zur Band darstellt.

Die Bandbreite hält es nicht für nötig sich von diversen Rechtspopulisten zu distanzieren und lässt in ihren Handlungen immer mehr den Eindruck zurück, absichtlich keine Abgrenzung zu rechten Ideologien zu wollen, da sie ein möglichst breites Spektrum ansprechen will. Eine solche Vorgehensweise kann von antifaschistischer Sichtweise, in dessen Tradition sich die Linke stellt und der die Bandbreite sich als angehörig sieht, aber nicht gebilligt werden. Das Paktieren mit der Rechten, und sei es auch zur Erreichung “gemeinsamer” Ziele, ist inakzeptabel und darf, zumindest aus meiner Sicht, in keiner Form unterstützt werden. Der diesjährige Auftritt der Bandbreite in den Reihen der SVP ist dabei nur das i-Tüpfelchen. Auch wenn man diesen als Ausrutscher abtut, da der Bandbreite (laut eigener Aussage) nicht bekannt war, um was für eine Partei es sich bei der “weltoffenen und toleranten SVP” handelt – bleibt dennoch offen, warum bis heute keine Distanzierung vom Interview mit der neurechten Wochenzeitung “Junge Freiheit” zu vernehmen war. Von weiteren Zusammenhängen der Bandbreite mit rechtsorientierten Persönlichkeiten und Kreisen mal ganz abgesehen. Ob auf diese Weise Nutzen oder Schaden für den antikapitalistischen Kampf und die Befreiung der Völker aus dessen Unterdrückung gewonnen werden kann, kann sich jeder selbst fragen. Einen Kompromiss kann es da aus meiner Sicht der Dinge, jedenfalls nicht geben.

Darüber hinaus halte ich es auch für bedenklich, dass die oft kritisierten Songs wie “Miesmuschel” und “Eingelocht”, mit auf den ersten Blick überaus obszönen und frauendiskriminierenden Inhalten, trotz Statements zu dessen satirischem/anklagenden Hintergrund auch in der Neuauflage ohne jeglichen Hinweis darauf erschienen. Während die Texte auf der Webseite dazu mit der Zeit verschwanden. Schließlich hielt man es bei dem Song zur “Neuen RAF” auch für nötig aufzuklären, dass die im gesamten Lied besungene Gewalt, nicht der richtige Weg sein kann.

Mein Fazit ist also, dass die Bandbreite sich vielleicht nicht bewusst in dieses kritische Licht rücken will und durchaus gute und lobenswerte Absichten haben kann, wie ihr Engagement für die Linke auch vermuten ließ. Dennoch halte ich ihre derzeitige Vorgehensweise nicht für tragbar. Mir liegt es dabei fern, vergleichbar der Kritik von Antideutschen, die Band zu verteufeln. Jeder ist für seinen eingeschlagenen Weg selbst verantwortlich und muss wissen, wie er diesen bestreiten will. Doch zumindest aus meiner Perspektive und der Verantwortung für dieses Projekt kann der zweigleisige Tanz zwischen Rechts und Links nicht toleriert werden. Auch wenn dahinter gute Absichten stecken mögen. Keine gute Absicht rechtfertigt einen ideologischen Schulterschluss mit den Faschisten. Auch ansatzweise und tastend nicht. Seien sie noch so “fortschrittlich” und “besser belehrter” als ihre Vorgänger zu Anfang des 20. Jahrhunderts. “Links” mag ein sehr dehnbarer Begriff sein. Doch zumindest hatte dieser immer die Gemeinsamkeit im Antifaschismus. Der Antifaschismus ist aufgrund seiner blutigen und opferreichen Vergangenheit konsequent. Und diese Konsequenz lässt keinen Spielraum für Kompromisse.

Die Diskussion um die Band mag sich weiterhin zuspitzen oder irgendwann verstummen. Dies wird sicherlich vom weiteren Kurs der Bandbreite und dem Einsatz ihrer schärfsten Gegner abhängen. Ich für meinen Teil und im Namen des Kampflieder.de-Projekts distanziere mich hiermit von dieser Band und hoffe darauf, dass ihre Initiatoren sich noch besinnen und vom Irrpfad in die braunen Abgründe dorthin zurückfinden werden, wo sie schon richtigerweise mal angesetzt haben. Nämlich da, wo man mit Rassismus und menschenverachtenden Ideologien längst kompromisslos abgerechnet und ihnen offen den Kampf angesagt hat.



|


Kommentar schreiben


Kommentare: 5


avatar
Wolfgang

Eintracht statt Zwietracht. Recherchieren statt diffamieren. Zusammenhalt statt Distanzierung. Im text von Wojna heißt es: suche nach Gemeinsamkeit, verlier Dich nicht im Unterschied. Leute, werdet Erwachsen! Jeder alleine, da geht garnichst!


avatar
Melanie

Ich glaube fast, dass der Seitenbetreiber aus innerer Überzeugung und besten Gewissens spricht, aber er hat meiner Meinung nach einige elementare Dinge nicht berücksichtigt. Lass Dich nicht instrumentalisieren! Einmal abgesehen davon, dass die gesamte Musikindustrie von oszönen und frauendiskriminierenden Inhalten strotzt und dies wohl sehr selektiv als Ausschlusskriterium herangezogen wird, wird hier tatsächlich nur die Tatsache des Dialogs als verwerflich und untragbar in einem “kompromisslosen” Weltbild angesehen. Damit wird ein nicht unerheblicher Bevölkerungsteil über die Aburteilung hinaus abgeschrieben und aufgegeben. Jeder weiß, dass dies keine Lösung des Problems sein kann, da keinerei Ursachenbearbeitung geleistet wird. Wir können nicht alle “verirrten Individuen” in Australien absetzen, sondern müssen uns in unserer Umgebung mit ihnen auseinander setzen, wenn wir etwas verändern statt nur jammern wollen. Nur so lassen sich menschenverachtende fehlgeleitete Motivationen auffangen und abpuffern und eventl. konstruktiv umleiten. Nichts anderes macht m.E. die Bandbreite, wofür ich ihr sehr dankbar bin.

Glückauf!


avatar
tom

ich finde es sehr gut sich mit den musikbands auch politisch auseinander zusetzen. ich meine besonders den disput zur band die bandbreite. ich habe sie kennengelernt und auch mit wojna gesprochen und der ist mehr als links. vielleicht kannst du seinen kommentar zu den songs/ links der bandbreite dazu stellen. diese form der musik wie sie von der bandbreite gemacht wird, ist wichtig im linken spektrum! wir müssen mehr miteinander reden als übereinander!


avatar
Christian

Ich denke wenn man sich mit der Antwort von Wojna auseinandersetzt, sieht man ganz deutlich, daß der Ban ungerecht(fertigt) ist…


avatar
Wojna

Unglaublich, dass ihr restriktiver seid als unser Staat und mittlerweile sogar schon nach dem Grundsatz “Im Zweifelsfall gegen den Angeklagten” handelt. Weil wir uns nicht rechtfertigen und uns nicht distanzieren sind wir nicht mehr politisch tragbar? Wie oft denn noch? Wie viel soll ich noch schreiben, Clips drehen und posten, damit ihr endlich kapiert, wo wir politisch stehen?
Scheiß auf die SVP! Jeder der unseren Song “Unter falscher Flagge” gesehen hat, weiß, dass wir den Islam-Hass, den sie in der Schweiz propagieren nicht teilen.
Ihr geht hier gerade den Denunziaten auf den Leim, die “mit Rechten reden” gleichsetzen mit “Nazi sein” und das findet ich erbärmlich.
Sind die Streetworker, die im Osten in die NPD-Nester reinstechen und versuchen die Nazi-Kinder da rauszuholen dann auch Nazis? Eure Denke ist einfach nur kurz.

So hier nun die 100.000 Rechtfertigung für unseren Auftritt in der Schweiz, sucht sie euch beim nächsten mal bitte selbst aus dem Netz:
————————–

Die Bandbreite bei der SVP?
Die Bandbreite spielte in 2011 bei der Gegendemonstration zur Bilderberg-Konferenz in
St. Moritz in der Schweiz. Das schweizerische Alternativmedien-Portal info8.ch
organisierte die Veranstaltung und hatte uns eingeladen, auf der Abendveranstaltung im
Hotel Randolins zu spielen.
Der Chefredakteur Anian Liebrand bestätigte uns im Nachhinein noch einmal, dass es sich
bei der Medienplattform um eine parteilpolitisch unabhänginge Institution handele.
Er verschwieg uns allerdings, dass er selbst Mitglied der Jungen SVP ist. Ebenso stellten
wir im Nachhinein fest, dass die Junge SVP als Unterstützer der Veranstaltung auf den
Flyern gelistet war.
War die Veranstaltung nun ein rechtsradikales Treffen? Hat die Bandbreite nun eine
rechtsradikale Partei hofiert?
Nein, denn zunächst einmal haben wir unseren linken Standpunkt auf der Veranstaltung
betont, den Song „Kein Sex mit Nazis“ gespielt, uns ausdrücklich gegen Islamophobie
ausgesprochen und unseren humanistischen Standpunkt verdeutlicht.
Dies wird auch aus unserem Video-Erlebnisbericht ersichtlich:
http://www.youtube.com/watch?v=aIo3xck1uMM
Wie am Applaus zu erkennen ist, war der Großteil der Zuschauer nicht rechtsradikal.
Viel mehr bestand das Publikum der Veranstaltung aus Kosmopoliten aus Europa und
aller Welt. Angehörige verschiedenster Nationen, Hautfarben und Religionen fanden sich
in St. Moritz friedlich zusammen, um gegen die Bilderberg-Gruppe zu demonstrieren.
Diese Menschen besuchten am Abend auch die besagte Veranstaltung und stellten die
überwiegende Zahl der Besucher dar.
Man kann sicherlich von dem Versuch einer Vereinnahmung der Veranstaltung durch die
SVP sprechen. Mehr aber auch nicht, denn über 90% des Publikums waren der
antifaschistischen internationalen Wahrheitsbewegung zugehörig und wussten zu diesem
Zeitpunkt etwa genauso wenig wie wir über die Hintergründe des Unterstützers „Junge
SVP“.
Nicht der Rede Wert, dass wir das Minarett-Verbot in der Schweiz ablehnen und einen
solchen politischen Vorstoß als Angriff auf die Religionsfreiheit verurteilen. So dürfte es
aber auch das Publikum vor Ort gesehen haben.
Des Weiteren brauch es Courage, seine Meinung auch vor dem politischen Gegner zu
vertreten. Und nichts anderes haben wir so mit unserem Auftritt dann auch getan.
Maßgeblich für die Verbesserung der Welt ist nach unserer Auffassung der Dialog
zwischen den Menschen und den werden wir niemals aufgeben, mag unser Gegenüber
auch als unbelehrbar gelten.
Was uns letztendlich übel aufstößt ist, dass an einem Ort, an denen noch lebende
Massenmörder wie Henry Kissinger zu einer intransparenten Konferenz der Weltelite aus
Industrie, Politik und Medien einladen, wir die Präsenz linker Kräfte bedauerlicherwise
vermisst haben.
Hier tut Aufklärung Not. Für Interessierte zu den Bilderberg-Konferenzen sei der
Suchbegriff „Bilderberg“ bei Google eine Option.


↑ Nach oben | | → HOME | Lieder (A-Z) SUCHE Blog Forum IRC Kontakt RSS


Besucher:
Heute:
Online:
Aufrufe:
Letzte Artikel im Blog:

Suchanzeigen auf Kampflieder.de · Festival des politischen Liedes 2012 · Tonband aus der DDR gesucht! · 60 Jahre "BILD" (1952-2012) · Was hat sich getan? · David Rovics startet EURO-Tour · Die Lage ist ernst! (ACTA) · 46 Lieder von Victor Jara · Kampflieder.de nun auch im IRC! · Anti-SOPA Blackout Day · Musikalischer Veranstaltungskalender · (!) Hanns Eisler-Lieder gelöscht · "Operation Blitzkrieg" · 


REDSONGS.ORG

(cc) www.kampflieder.de 2010-2012